Interview aus dem Buch „Mehr als nur der 12. Mann - Ein Streifzug durch die Fanszene von Eintracht Frankfurt“

von Jörg Heinisch, AGON Sportverlag Kassel, veröffentlicht im Juli 2011

Hank, Dich als Unterhaltungskünstler zu bezeichnen, ist nicht ganz korrekt. Dazu aber gleich erst. Du gehörst zu den Fans, die ihrer Eintracht auch ein musikalische Ehrerbietung dargeboten haben. Mit der Gruppe „Speed Chicken“ hast Du das Lied „Hier kommt die Eintracht“ im Studio aufgenommen. Dies hat auch Berücksichtigung bei dem offiziellen Eintracht-CD-Sampler „12“ gefunden. Wie kommt man auf die Idee, ein Eintracht-Lied zu machen?

Ich hatte im „Fan Geht Vor“ gelesen, dass Ralf Holl Songs für diese CD sucht und schickte ihm den „Horst-Ehrmantraut-Marsch“ (zu dem wir weiter unten noch kommen werden). Ich rechnete mir keine großen Chancen aus, denn es ist eine Instrumental-Nummer, aber Ralf gefiel der Sound und er rief mich an und fragte, ob ich einen Song mit Text in diesem Stil machen könnte.

Wie würdest Du den Stil des Liedes beschreiben? Ist es ein original hessisches Combo-Gut?

Das hört sich gut an, die musikalischen Wurzeln liegen aber leider nicht im Hessenland. Speed Chicken ist eine Rock´n´Roll Band, mit Rockabilly- und auch Punk-Einflüssen. Normalerweise sind wird ein ganzes Stück rauer als bei „Hier kommt die Eintracht“.

Wie entstand der Titel? Was hat dabei dominiert: Spaß oder harte Arbeit?

Es musste alles ziemlich schnell gehen. Eigentlich braucht ein guter Song aber eine ganze Reihe von Konzert-Aufführungen, bevor er abgehangen genug ist um eine gute Aufnahme davon machen zu können. Ich hatte nichts, keine Text-Idee, keine Musik, nur einen Abgabetermin und die Euphorie, die Ralfs Anruf in mir erzeugt hatte. So gesehen war es schon ziemlich harte Arbeit. Wenn man allerdings hart und unter Zeitdruck an einer Sache arbeitet mit der Aussicht, an so einem Sampler beteiligt zu werden, dann kommt da schon auch eine große Menge Spaß ins Spiel. Dazu kommt, wenn ich jetzt noch persönlich werden soll, dass ich kurz zuvor meine Multiple Sklerose-Diagnose bekommen hatte, ein ziemlicher Nackenschlag. Ich erwartete täglich das Ende und wusste nicht wie lange die Finger noch Musik machen können oder vielleicht noch ganz anderes passieren würde. Also stürzte ich mich auf alles, was momentan im Bereich meiner Möglichkeiten lag. (Bis heute geht es mir allerdings ziemlich gut, toi-toi-toi.)

Wie häufig tritt die Band auf und welcher Region?

Wir spielen eigentlich viel zu selten. Das sage ich aber schon seit ich überhaupt angefangen habe in Bands zu spielen, sowohl in den Zeiten mit verhältnismäßig viel Auftritten (2 bis 3 im Monat) oder auch in den Phasen, wo mal weniger läuft. Wir sind schon durch die ganze Republik getourt, ab und zu auch im benachbarten Ausland. Ich freue mich immer besonders wenn ich in Frankfurt spielen kann, z.B. im Dreikönigskeller oder im Elfer.

Und dann gibt es da noch einen anderen Titel, der als „Hank und die Shakers“ aufgenommen wurde und „Horst-Ehrmantraut-Marsch“ heißt. Beim Anhören hört man den Eintracht-Bezug nicht – es ist ein Swing-Instrumental. Wie kam es denn dazu?

Ja, dieser Song hat tatsächlich keinen hintersinnigen Bezug zur Eintracht. Es ist schlicht eine Instrumental-Nummer, die ursprünglich unbetitelt war. Also musste ich mir einen Namen ausdenken und wollte gerne den großen Horst – für den ich ihn halte – mit diesem Song meine Ehrerbietung erweisen. Die Bezeichnung als „Marsch“ ist natürlich leicht ironisch, zwar gibt es die Marschtrommel innerhalb des Stückes, aber in erster Linie soll der Song swingen und rocken. Ich hatte die Aufnahme auch an Mr. H. E. (damals in Saarbrücken) gesandt, aber nie eine Antwort erhalten.

Jetzt gibt es ja auch eine breite Palette Eintracht-Musik, vom Schlager über Pop, Rap und Punk bis Metal, von Roy Hammer über Ultrakaos bis zu Tankard. Was für eine Meinung hast Du zu alledem? Und wir ordnest Du darunter ein, was Du dazu beigetragen hast?

Ich finde es klasse, dass aus so vielen unterschiedlichen Bereichen Lieder über die Eintracht gesungen werden, genauso vielfältig wie die Fangemeinde nun mal ist. Auch wenn mir vom Musikstil her nicht alles zusagt – das liegt ja in der Natur der Vielfalt – finde ich manchmal gerade die Sachen, die mir am fremdartigsten erscheinen, mit am interessantesten. Ich vermute mal, jeder möchte gerne einen echten „Kurven-Hit“ landen, das wäre mit das Allergrößte, was einem als Musiker gelingen kann. Aber allein, dass mein Song schon mal im Waldstadion gespielt wurde erzähle ich immer gerne mit breiter Brust jedem, ob er es hören will oder nicht.

Du machst für insgesamt drei Bands Musik, doch wer Deine Homepage besucht, überliest diesen Fakt eher. Und jetzt kommen wir auf die Ausgangsfeststellung zurück: Eigentlich wirst Du in der Eintracht-Fanszene als Künstler der Malerei wahrgenommen. Du bist zu Hause in der „Tuschegraphik, Xerographie und Öl-/Acrylmalerei zu einer Vielzahl von Themen“, schreibst Du auf Deiner Homepage www.heimatmalerie.de. Dort findet man dann auch viele Werke von Dir, die sich Gebäuden aus der Heimat, der Musik sowie Mensch und Tier widmen. Neben Portraits findet man dort auch den Bereich „Fußball“, und damit kommen wir zurück zur Eintracht. Neben verschiedenen Nationalspielern hast Du auch Patrick Ochs und Uwe Bein, die Helden von 1959 sowie die UEFA-Pokalsieger von 1979/80 gezeichnet, wobei die letzten beiden Kader als Trading Card veröffentlicht wurde und Patrick Ochs 2010 als Poster dem Abteilungsmagazin „Diva vom Main“ beilag. Die Endspielmannschaft von 1960 wurde zudem Anfang 2010 im Eintracht-Museum ausgestellt und wurde von „Fan geht vor“ als Poster gedruckt. Geld kann man mit der Malerei eigentlich nicht verdienen, oder doch? Ist das alles „nur“ ein leidenschaftliches Hobby? Was bewegt Dich dazu, das alles anzugehen?

Wenn man mal davon ausgeht dass man, wie Du richtig festgestellt hast, mit der Malerei eigentlich kein Geld verdienen kann, dann läuft es bei mir eigentlich ganz gut. Es sind keine Reichtümer, aber ab und zu kann ich schon mal was verkaufen. Wichtig ist mir, dass ich machen kann was ich will, das ist im Grunde auch der einzige Weg für mich mein Bestes zu geben und die Qualität meiner Bilder zu verbessern. Das würde ich auch dann machen wenn ich nie etwas verkaufen könnte. Bei den Eintracht Bildern, speziell den Trading Card Serien, hatte ich schon die Vorstellung im Hinterkopf, dass es für so etwas ein Publikum geben könnte. Darin sehe ich auch die künstlerische Herausforderung: diese Menschen zu malen, die so Großes geleistet haben, die uns alle so begeistern und die so vielen Fans so viel bedeuten – und die vielleicht auch mal selbst meine Bilder sehen werden – das ist ein gewaltiger Ansporn, mich mit aller Kraft in diese Sache hinein zu knien.

Wie lange zeichnest Du an einem Portrait?

Also, ich gucke dabei nicht auf die Uhr und oft genug vergesse ich die Zeit völlig, wenn ich am Malen bin. Das ist ja auch gut so, einer der besten Aspekte an der ganzen Sache.<br />Meine besten Bilder sind oft diejenigen, bei denen die Malerei quasi wie von selber in hohem Tempo abläuft, vielleicht 2 Stunden für ein 30 x 40 cm Format (auf Papier, Leinwand dauert sehr viel länger). Allerdings muß ich bei der Zeitdauer auch die Recherche mit einrechnen, welche Vorlage will ich benutzen, ebenso die technische Umsetzung / Vergrößerung. Am allerliebsten, das möchte ich gerne anfügen (vielleicht liest es ja einer), würde ich auch die Vorlagen selber herstellen, Skizzen oder Fotos direkt „am Mann“ anfertigen anstatt irgendwelche Pressefotos abzumalen. Habe mich bisher allerdings noch nicht aufraffen können Kontakt zu den Spielern und Trainern zu suchen.
Du bist schon auf ehemalige Spieler getroffen, die Du gezeichnet hast. Wie waren die Reaktionen zu Deinen Werken?
Friedel Lutz habe ich im Museum gesehen und ihn gebeten, meine Zeichnung von ihm zu signieren. Leider gab es keine Gelegenheit ein paar Worte zu wechseln, aber ich war auch wahnsinnig aufgeregt und irgendwie ganz froh, denn ich hätte wahrscheinlich keinen vernünftigen Satz herausgebracht. Auch in der Autogrammstunde, als ich Egon Loy, Dieter Stinka, Hans Weilbächer, Adolf Bechtold und Dieter Lindner meine Zeichnungen unter die Nase halten konnte, war nicht viel Zeit – bin mir nicht so sicher, ob sie sich alle so sehr durch meine Künstlerei geschmeichelt fühlten ...

Allgemeine Fragen: Dein bisher liebster Eintracht-Spieler?

Ganz klar Uwe Bein.

Der Eintracht-Spieler, mit dem Du nie etwas anfangen konntest, ist? (ggf. warum?)

Da muß ich aber jetzt wirklich ernsthaft überlegen wer das sein soll ...

Dein größter Moment war?

Da muß ich das 6:3 nennen, das hat mich wirklich fertig gemacht. (Das 5:1 habe ich ja leider verpasst, grrrr, darf ich gar nicht dran denken.)

Der schlimmste Moment war?

Richtig schlimm war irgendwie schon der 29. Mai 1999. Wir hatten einen Auftritt in Osnabrück und waren Nachmittags um halb Vier auf der Autobahn. Meine Bandkollegen interessierten sich nicht wirklich für Fußball, schlimmer noch, einer von ihnen war so ein oberflächlich Interessierter, wenn Du Dir vorstellen kannst was ich meine. Immer kamen irgendwie wohlwollende Sprüche, voller „Verständnis“, mit leicht anbiederndem Unterton. Sehr schwer zu ertragen. Genau genommen überhaupt nicht zu ertragen. Ich musste in dieser Situation das Autoradio ausschalten, das war nicht auszuhalten. Diese irrsinnige Bundesligakonferenz mit diesen windelweichen Mitfahrern – grauenhaft. Ich meine, es waren meine Bandkollegen und wir hatten schon einen guten Draht zueinander, aber ganz sicher nicht in dieser Hinsicht. (Das waren auch nicht die Jungs, mit denen ich „Hier kommt die Eintracht“ aufgenommen habe.) Das war mein 29. Mai. (Allerdings, diesen Tag unter der Rubrik „schlimmster Moment“ aufzuzählen, hm, weiß nicht ... )

Bist Du auf etwas Persönliches besonders stolz?

Es macht mich ungemein stolz wenn ich mit meinen Tätigkeiten Interesse bei fremden Menschen wecke, wenn ich dadurch Leute aus dem „inneren Kreis“ (so will ich es mal nennen) kennen lerne, wie z.B. Matze Thoma, Dr. Othmar Hermann, oder etwa einen gewissen Jörg Heinisch, oder wenn Ulrich Matheja ein Bild von mir kauft oder wenn ich für das Magazin „Diva vom Main“ ein Bild von Patrick Ochs malen darf. Oder wenn mein Song auf der DVD „Träume in Schwarz und Weiß“ benutzt wird, um die 59er Meister-Episode zu unterlegen. Klingt hoffentlich nicht zu angeberisch, aber das sind die Dinge, die mich mit persönlichem Stolz erfüllen.

Gibt es ein interessantestes Erlebnis aus Deinem speziellen Engagement!

Oh ja, als ich zum ersten mal das neue Waldstadion betrat: das war im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der CD „12“. Es gab eine Promotionsveranstaltung im Stadion, ca. eine halbe Stunde vor Spielbeginn. Ralf Holl hatte einen ganzen Pulk von Musikern, die an dieser CD beteiligt waren, zusammengetrommelt um vom Spielfeld aus „Im Herzen von Europa“ zum Playback der CD zu singen. Ich war noch nie im neuen Stadion gewesen und so war mein allererstes Erlebnis das Betreten des Innenraumes bei proppenvollen Rängen. Unglaublich, umwerfend.

Was nervt Dich?

Genörgel nervt mich, jammern und auf den Spielern rumhacken. Da komme ich mir vor als wäre ich in Nordhessen.

Worauf würdest Du nicht verzichten wollen?

Ich will mich nicht einschleimen, aber wenn man 200 km vom Ort des Geschehens entfernt wohnt, dann freue ich mich über jede neue Ausgabe von „Fan Geht Vor“ im meinem Briefkasten.

Was sind die interessantesten Dinge, die Dir passiert sind?

Als Steppi neben mir in der Schlange am Kassenhäuschen stand.

Dein beliebtester Spruch rund um die Eintracht ist…?

Lebbe gehd weider. Oder auch: Zufriedenheit ist Stillstand und Stillstand ist Rückschritt.

Hast Du ein liebstes Eintracht-Foto? Welches wäre das?

Mit das emotionalste das Bild ist für mich jenes, auf dem Jürgen Grabowski in Zivilkleidung den UEFA-Pokal in den Nachthimmel stemmt.